Beziehungsfähigkeit – ist sie verantwortlich für das Glück im Leben?

on Mittwoch, 04 April 2018. Posted in LesensWERT

Beziehungen bereichern unser Leben

Beziehungsfähigkeit – ist sie verantwortlich für das Glück im Leben?

Unter Beziehungs- oder auch Bindungsfähigkeit verstehen wir die Fähigkeit mit anderen Beziehungen einzugehen und diese aufrecht zu erhalten und auch wie viel Nähe wir zulassen können. Sie bestimmt zu einem großen Anteil die Qualität unserer Beziehungen.

Wir brauchen wir Beziehungen um uns selbst zu erkennen. Je glücklicher unsere Beziehungen verlaufen desto glücklicher sind wir selbst im Leben.

 

Der Grundstein für diese Fähigkeit wird bereits in der frühen Kindheit gelegt – schließlich machen wir in der Regel unsere allerersten Beziehungserfahrungen mit unseren Eltern.
Ab dem Zeitpunkt der Geburt – und in unserer Zeit natürlich schon früher, nämlich durch die Entscheidung ob ein Kind geboren werden soll oder nicht – werden wir in eine tiefe Abhängigkeit katapultiert.
Aus der Bindungsforschung weiß man heute dass selbst pränatale Traumata sich auf unser Bindungsvrehalten auswirken können.

Noch im Mutterleib wohnend sind wir mit allem versorgt und entwickeln das erste Bindungsgefühl: Wir können noch nicht unterscheiden welche Gefühle wir fühlen - die der Mutter oder die eigenen?

Der Hormoncocktail der Mutter, transportiert durch die Nabelschnur, beeinflusst auch unsere Stimmungslage.

In dieser Zeit machen wir die Erfahrung aufs Engste mit jemandem verbunden zu sein. Durch diese enge körperliche Verbindung entsteht zeitgleich das erste Zugehörigkeitsgefühl und somit auch die erste Bindungsfähigkeit.

 

Die ersten Erfahrungen von Autonomie

Gleichzeitig machen wir die ersten autonomen Erfahrungen bereits im Mutterleib wenn wir jeden Tag „ein Stückchen über uns hinaus wachsen“
Durch jeden Entwicklungsschritt und die Reifung unseres Körpers mit all seinen komplexen Systemen werden wir autonomer – also auch unabhängiger von der Mutter. Bis wir schließlich bereit sind für das Licht der Welt.

Bei der Geburt machen wir die erste tatsächliche Trennungserfahrung.
Durch das Trennen der Nabelschnur und das Einsetzen der ersten Atemzüge funktioniert unser Organismus autonom, und wir erfahren uns in unserer weiteren Entwicklung nach und nach als eigenständiges Wesen.
Ab der Geburt hängt unser Leben davon ab ob unsere Eltern unsere Grundbedürfnisse erfüllen – ob sie dafür sorgen dass wir satt, trocken und sauber sind. Wenn sich niemand um uns kümmert sind wir biologisch gesehen zum Tode verurteilt.
Zu unseren ersten Erfahrungen gehört also auch das Erleben einer existenziellen Abhängigkeit.
Nur durch Schreien – als erste autonome Handlung - können wir als Säugling auf uns und unsere Bedürfnisse aufmerksam machen. Je nachdem wie unsere Bezugspersonen darauf reagieren haben wir Erfolg oder machen eine tiefe Ohnmachtserfahrung, die Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter haben kann. Insbesondere dann, wenn im Laufe der weiteren Kindheit wenig auf unsere Bedürfnisse nach Bindung eingegangen wird.

Mit jedem Entwicklungsschritt wachsen wir auch außerhalb des Mutterleibes jeden Tag über uns hinaus, wir erfahren, lernen und handeln situationsbezogen und werden Schritt für Schritt autonomer und selbstständiger. Ziel ist es ja erwachsen zu werden und uns selbst versorgen zu können.

 

Bindung ist wichtig für unsere seelische Entwicklung

Gleichzeitig besteht in uns der Wunsch nach wie vor wieder mit jemandem verbunden und sicher zu sein. Wir sehnen uns nach Bindung in späteren Beziehungen aller Art – und die Bandbreite ist groß.
Zunächst weiten sich unsere Bindungen auf Geschwister und die weitere Familie aus, dann folgen Pädagogen in Kindergarten und Schule, Freunde und frühestens in der Pubertät starten wir die ersten Versuche eine Liebesbeziehung einzugehen.
Unser gesamtes Leben sind wir damit beschäftigt, einerseits unsere Bindungswünsche zu erfüllen und andererseits selbstbestimmt und frei zu handeln.

 

Wer sich verliebt macht sich abhängig davon ob seine Gefühle erwidert und Bedürfnisse erfüllt werden. Wenn nicht, stürzt der Verliebte in einen tiefen Schmerz. Sich auf eine Paarbeziehung wirklich einzulassen bedeutet auch, sich abhängig zu machen. Man wird verletzbar, begibt sich in die Hand eines anderen, und so heißt es dann auch wenn man sich „traut“.

 

Anpassung und Selbstbehauptung

Soll eine Beziehung in welcher Form auch immer funktionieren, müssen alle Beteiligten fähig sein sich anzupassen sowie  sich auch zu behaupten.
Sich anzupassen macht Bindung möglich – und Selbstbehauptung unser Grundbedürfnis nach Freiheit und Autonomie.
Wer sich in Beziehungen nicht anpassen kann, kann sich nicht binden, und wer sich nicht behaupten kann, verliert innerhalb der Beziehung seine persönliche Freiheit.

 

Jeder von uns macht im Leben Erfahrungen zugunsten beider Seiten. Tendenziell passen sich die meisten Menschen dem Beziehungspartner/der Partnerin oder sie grenzen sich zu sehr ab. Die Balance zwischen Autonomie und Bindung macht uns glücklich im Leben und wäre der Idealzustand einer jeden Beziehung.

 

Überangepasste Menschen neigen in Beziehungen dazu die Bedürfnisse anderer Menschen zu erfüllen und den Erwartungen des Partners zu entsprechen. Sie sind gute Zuhörer und können gut Kompromisse eingehen. Eigene Bedürfnisse werden zugunsten der Bindung unterdrückt - Getrieben von der darunter liegenden Angst, die Bindung zu verlieren.

Bindungsängstliche Menschen hingegen sehen durch die Distanzierung vom Partner häufig den einzigen Weg die persönliche Freiheit zu retten. Sie können sich meist nur dann frei fühlen, wenn niemand Erwartungen an sie stellt. So scheint es sicherer sich abzuschotten und dicht zu machen als Gefühle zuzulassen. Sie erklären sich die Welt aus dem Verstand heraus und schaffen sich nach Momenten der Nähe immer wieder Distanz.
Sogenannte „On-Off-Beziehungen“ bestehen meist aus einem beziehungsängstlichem Partner der nach der Trennung keine Bedrohung der Freiheit mehr verspürt und Erleichterung verspürt.

 

Menschen mit Bindungsangst sollten also mehr an ihren Bindungsthemen arbeiten und abhängige Partner mehr an Themen wie Selbstbehauptung und Autonomie um harmonischere und glückliche Beziehungen zu erfahren.

Eine gesunde Mischung aus Bindung und Freiheit verschafft uns glückliche Beziehungen im Alltag - Es lohnt sich also sehr einen Blick hinter die Kulissen zu wagen und zugehörige Blockaden zu lösen.


Für ein kostenloses, telefonisches Erstgespräch stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

 

 

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