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Fantasiebindung - Bindung ohne Realität

on Mittwoch, 10 Januar 2018. Posted in LesensWERT

Über Glück und Abhängigkeit in Schwärmereien und Fantasiebeziehungen

Fantasiebindung - Bindung ohne Realität

In den letzten Monaten sind mir in der Beratung gehäuft Themen aufgefallen, bei denen Klienten von ihren Ex-Partnern nicht loslassen können und sich 85 % der Gedanken "um ihn" drehen. Im Falle des "frisch Verliebtseins" wäre dies auch ganz normal. Das Besondere daran ist, dass in etlichen Fällen die Trennung bereits länger zurück liegt und meist gar kein Kontakt mehr besteht.

Dieses Gebundensein an den Ex verhindert neue Beziehungen, da dies für potentielle Partner in spé spürbar ist und alles andere als anziehend wirkt.

Viele leiden unter dem Nicht-Loslassen-Können des Ex-Partners/ der Expartnerin und fühlen sich "liebesabhängig". In meist Tag-Träumen und Liebesfantasien wird extatisches und virtuelles Erleben auf den Ex-partner/die Ex-partnerin projiziert.

 

Es muss nicht immer der Ex/ die Ex sein

Als Partner, zu denen eine Fantasiebindung eingegangen werden kann, eigenen sich reale Personen, jedoch auch Popstars, Schauspieler, Superhelden und andere Berühmtheiten, Freunde, Therapeuten, Priester und Pfarrer, Lehrer oder andere Authoritätspersonen ...

Bei jeder emotionaler Erregung in einer Liebesfantasie werden eine Reihe von Neurotransmittern und Botenstoffen ausgeschüttet, wordurch Hochgefühle verursacht werden. Durch die Fantasie wird das Erleben also zu einem gewissen Grad steuerbar und schafft süchtigmachende Glücksgefühle.

Mit der Realität hat dies häufig nichts zu tun, und auch nichts mit der tatsächlichen Bedürfnisbefriedigung, die wir uns vom realen Partner ersehenen.

Dennoch kann dieser Zustand der Liebessüchtigkeit ohne reale Bedürfnisbefriedigung jahrelang aufrecht bleiben, und vermag es wirkliche Intimität zu verhindern.

 

Wurzeln der Liebesabhängigkeit

Die Wurzeln dieser Liebesabhängigkeit sind meist in der Kindheit zu finden. Meist wurden Betroffene in der frühen Kindheit verlassen, zB physisch durch Trennung, Krankheit, Tod, ... oder auch, wenn Eltern nicht genügend Zeit hatten sich dem Kind zu widmen könnte man dies als physisches Verlassenwerden bezeichnen.
Wenn Mutter oder Vater (aus welchen Gründen auch immer) nicht präsent sind, beziehen Kinder dies auf sich selbst und fühlen sich schuldig ("ich muss etwas falsch gemacht haben, sonst würden mich meine Eltern nicht so behandeln"). Wenn uns Mama und Papa angestrahlt haben, dann haben wir uns gut gefühlt. So definieren wir unseren Selbstwert im Spiegel von anderen.
Auch emotionales-Verlassen-Werden und Missbrauch in unterschiedlichsten Formen können Gründe sein. Kinder, die emotional verlassen wurden, haben Angst und emotionalen Hunger. Um damit fertig zu werden, entwickeln sie eine illusionäre Bindung an Mutter, Vater oder Ersatzpersonen ("Primäre Fantasiebindung, Firestone"). Da ihnen diese Personen in der Realität nicht zur Verfügung stehen, geben sich emotional verlassene Kinder häufig selbst auf und fühlen sich im Erwachsenenalter meist sehr angezogen von "abhängigen Beziehungen".

 

In der Fantasiebindung können wir nicht verlassen werden

Die Fantasiebindung (als Abwehr des emotionalen Verlassenwerdens) dient als Ersatz für die Liebe und Fürsorge, die in der Kindheit gefehlt haben. Sie hilft dem Kind Angst und Schmerz zu lindern und eine (pseudo)Unabhängigkeit zu entwickeln. Als Jugendliche und Erwachsene versuchen sie dann völlig unabhängig zu werden und nichts und niemanden von der Welt da draußen zu brauchen.

So müssen Betroffene nicht fürchten verlassen zu werden.

 

Nach Firestone schützt die Fantasiebindung auch vor der Realisation der eigenen Unsterblichkeit und dem schmerzlichem Bewusstwerdens unseres Getrenntseins. Auch deshalb werden Menschen abhängig.

Liebessüchtige klammern sich an Familienbindungen und Liebesfantasien und versuchen dadurch die Verbindung zu erhalten. In Liebesbeziehungen opfern sie ihre Freiheit und echte Intimität beim Versuch mit einer anderen Person zu verschmelzen.

Oft scheint es nur die Wahl zwischen zwei Extremen zu geben: Autonomie und Bindung. Dabei ginge es um ein "sowohl als auch" statt um ein "entweder oder".

 

"Kinder idealisieren ihre Eltern durch die Fantasiebindung und geben deshalb Wut, Schmerz und Scham ihres eigenen Verlassenwerdens an ihre Kinder weiter. Anstatt sie dahin zurückzugeben wo sie hingehören, geben sie sie weiter" - Bradshaw

 

Wie wir sehen, würden nicht nur wir selbst sondern auch unsere Kinder davon profitieren wenn wir diese Beziehungsthemen und -abhängigkeiten aufarbeiten.

Meiner Meinung nach spielen hier ganz besonders die Ängste rund ums Verlassenwerden und vor Ablehnung eine sehr große Rolle.

 

 

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